06.12.2009
Testbericht ADAM Pencil Mk3
Einleitung
Anlässlich eines groß angesetzten Lautsprechertests kamen
zwei alte Bekannte zu Besuch, könnte man sagen. Die Rede ist
hier von der neuesten Entwicklung aus der
Lautsprecher-Schmiede in Berlin bei ADAM Audio. Den
aufmerksamen Lesern unter Ihnen mag es vielleicht schon
aufgefallen sein, dass auf HiFi-Online.net bereits einmal
ein Lautsprecher mit dem Namen "Pencil" getestet wurde, der
ebenfalls von ADAM stammte. Nun, das liegt nun mittlerweile
fast auf den Tag genau zwei ganze Jahre zurück. Inzwischen
darf ich ihnen hier nun das Nachfolgemodell präsentieren. Um
einen authentischen Test, gerade im Bezug auf einen
A/B-Vergleich zur Pencil Mk2 vollziehen zu können,
beschäftigt sich dieser Artikel ebenfalls mit der passiven
Version des Lautsprechers. Die Liste der technischen
Neuerungen und Weiterentwicklungen bei der neuen
Classic-Serie, zu der auch die Pencil gehört, ist lang. Viel
Zeit haben die Entwickler damit verbracht, die neuen Modelle
noch ausgeglichener klingen zu lassen. Möglich war das vor
allem dadurch, dass die Classic-Reihe jetzt von dem
technischen Fortschritt der ADAMschen HighEnd-Elite namens
TENSOR profitiert. Auch optisch hat sich Einiges getan, wie
sie im weiteren Verlauf dieses Berichtes erfahren werden.

Zu Grunde gelegt wurden diesem Testbericht gleich zwei
verschiedene Lautsprecherkabel. Zum einen das allseits
bekannte und von mir favorisierte "The Magnum Hybrid" aus
dem Hause Van den Hul und zum anderen das "LS2" aus der
"Platin Line" von WSS.

Verarbeitung
Gerade im Vergleich zum Vorgänger fällt auf, dass ADAM mit
viel Leidenschaft ein Lautsprechergehäuse präsentiert, das
sich edel und formschön zugleich präsentiert. Während bei
der Mk2 noch von richtigen Ecken gesprochen werden durfte,
sind die Kanten beim Nachfolger sinnvollerweise geglättet
bzw. gerundet worden. ADAM bietet die Pencil in den
Ausführungen Schwarz hochglanz, Walnuss und Kirsch an.

Eine weitere Neuerung, die dem Kenner der Classic-Reihen
gleich ins Auge sticht, ist die hinzu gekommene Bodenplatte.
Der wuchtige 1,18 m große und 23 kg schwere Lautsprecher
befindet sich nun auf einer fest montierten Bodenplatte.
Diese ebenfalls an den Kanten abgeschliffene Fläche bietet
des weiteren die Möglichkeit, vier mitgelieferte Spikes
mittels Schraubtechnik anzubringen. ADAM setzt hier bei auf
die Variante der akustischen Ankopplung, sprich die Spikes
werden mit der Spitze auf den Boden ausgerichtet, wo sie
passgenau in einen kleinen, runden Untersetzer münden.

Die Spikes müssen dabei nicht im vollen Umfang durch die
öffnung in der Bodenplatte gedreht werden, sondern können
zum Ausgleich von Unebenheiten im Boden beispielsweise auch
drei Millimeter höher gedreht werden, hauptsache sie sitzen
noch fest justiert in der jeweiligen Kontermutter.

Als kleines Gadget hat ADAM seine neue Classic-Reihe noch
mit einem Magnetsystem ausgestattet. Dieses Magnetsystem,
welches sich unter dem Tieftöner befindet, hat mit der
Elektronik nichts am Hut, sondern besitzt die Aufgabe, die
Stoff-Abdeckungen an der Front des Lautsprechers optimal
einzupassen. Somit hat ADAM die Anbringung dieser Abdeckung
elegant und geschickt gelöst. Im Gegensatz zu Abdeckungen
anderer Hersteller, gemeint sei hier Canton, verfälschen die
Stoff-Abdeckungen der Pencil keinesfalls den Klang. Für die
Idee also schon mal ein Lob! Eine Drehung des Lautsprechers
um 180 Grad bringt auf der Rückseite gleich zwei
Bassreflexröhren zum Vorschein. Diese befinden sich
einerseits genau passend hinter dem 7" HexaCone
Tief-/Mitteltöner und andererseits genau passend hinter dem
7" HexaCone Tieftöner. Allein aus diesem Grund empfiehlt
sich schon, dass die Lautsprecher mindestens 1,3 Meter von
der Rückwand entfernt ihren Platz finden sollten, wie sich
während der Tests herausstellte.

Weiter unten sticht die gewohnte Qualität der
Anschluss-Terminals bei ADAM-Lautsprechern hervor. Ein
hochwertiges Bi-Wiring Terminal, bestückt mit vergoldeten
Kabelbrücken. Die ebenfalls vergoldeten Schraubklemmen, für
den Tiefton- und Mittel-/Hochton sind sehr robust und können
gerne auch mal fester als normal bedient werden. Bananas,
aber auch unkonfektionierte Kabel, finden dort problemlos
Platz.

Schaut man sich alles in allem die Verarbeitungsqualität im
Zusammenspiel mit dem Materialaufwand an, kann man
schlichtweg nur sagen, dass ADAM bei der Verarbeitung der
Pencil keine Kompromisse gemacht hat. Die hohe
Oberflächenqualität sorgt ebenso wie die Kantenverarbeitung
und die Neuerungen für ein makelloses Finish. Außerdem wird
wie beim Vorgänger wieder auf eine extrem schlanke Bauweise
gesetzt, was die Abmessungen (BxHxT) auch deutlich klar
machen: 23 x 118 x 30 cm. Die weibliche Fraktion mag
vielleicht den Pflegeaufwand eines Hochglanzlautsprechers in
Frage stellen, das sei aber mal dahin gestellt …
Technik
Nachdem nun vor allem die optischen Neuerungen thematisiert
wurden, kommen wir nun zu dem, was sozusagen "unter der
Haube" steckt. Fangen wir oben an. Während beim
Vorgängermodell der Einsatz des legendären ART-Hochtöners –
dem Markenzeichen eines jeden ADAM-Lautsprechers – noch für
viele Nuancen sorgte, hat ADAM die Mk3 mit dem von den
TENSORen stammenden X-ART-Hochtöner ausgestattet. Lassen Sie
mich ihnen das ART-Prinzip noch einmal näher bringen:
Oberste Priorität für die Präzision bei der Wiedergabe durch
einen Lautsprecher hat die Geschwindigkeit, mit der die
Schallwellen erzeugt werden. Die Accelerating Ribbon
Technology geht diesbezüglich ganz neue Wege. Dabei ist auch
die Technik nicht aus den Augen zu lassen.
Bei der Pencil und ihrem X-ART-Hochtönern heißt das auf den
Punkt: Der Hochtöner besteht aus einer lamellenförmig
gefalteten Folie, deren einzelnen Falten sich im Takt des
eingespeisten Musiksignals öffnen und schließen, sodass die
Luft entsprechend eingesaugt und ausgestoßen wird. Sie
treiben die Luft also schneller ein und aus ihren Falten,
als sie sich selbst bewegen. Mit dieser innovativen Technik
vermag das ART-Prinzip das lineare Verhältnis von Luft- und
Membrangeschwindigkeit zu überwinden, welches bei
Kalotten-Hochtönern ein großes (physikalisches) Problem
darstellt. Auch ein Hitzestau, der gerade bei
Kalotten-Hochtönern auftreten kann, wird durch den direkten
Kontakt der Folien zur Außenluft verhindert. Das "X" (für
eXtented frequency response) vor dem ART-Prinzip steht dabei
für die Weiterentwicklung des Modells durch die Entwicklung
und Verwendung neuer Materialien. Diese Wandler wurden
bezüglich ihres Frequenzbereiches und der Effizienz noch ein
weiteres mal verbessert. Das heißt im Klartext, dass der
neue X-ART-Hochtöner eine um 3 dB höhere Effizienz und einen
5 dB höheren maximalen Schalldruckpegel aufweist. ADAM
schafft es somit, bei gegebenen Voraussetzungen (z. B.
Abmessungen) die bestmögliche Klangqualität zu erreichen.

Eine Etage tiefer befindet sich der 7" HexaCone
Tief-/Mitteltöner. Auch dieser entspricht im Prinzip denen
der TENSORen. Doch auch die HexaCone-Membranen bieten
Einiges an interessantem Hintergrundwissen. So sprechen wir
hier z. B. von einer Sandwichmembran aus Nomexwaben und
beidseitiger Kevlarbeschichtung, was bedeutet, dass dadurch
im jeweiligen Frequenzbereich ein außerordentlich akkurates
übertragungsverhalten an den Tag gelegt werden kann. Noch
ein Stück weiter unten sehen wir noch ein 7" HexaCone-Modell
mit dem Unterschied, dass diese Membran nur für die
Frequenzen von 35 – 150 Hz zuständig ist. Dadurch wird vor
allem eine Entlastung und Ergänzung des Tief- und
Mitteltonbereiches erreicht. Mit Neodymmagneten und einer
extra großen Schwingspule wird ein enormes Volumen im
Bassbereich erreicht, was laut ADAM zwar nicht im
Vordergrund stehen soll, dies aber gelegentlich tut.

Klang
Wie viele Stunden vergehen eigentlich, bis man anfängt einen
Testbericht zu verfassen? Nun ja, auf die Pencil bezogen
doch schon etwas mehr, als bei anderen Tests. Wenn man die
Zeit mal ein wenig addiert, kommt man auf ungefähr 30 reine
Hörstunden. Die gleiche Anzahl an Stunden vergeht dann noch
einmal nach dem Verfassen des Testberichts.
Es gibt ja bekanntlich verschiedene Arten von Lautsprechern.
Die Rede ist hier von solchen, die einem zum leiseren Hören
verleiten und solche, die gerne ihre Pegelfestigkeit und
enormen Reserven unter Beweis stellen wollen. Zur zweiten
Kategorie zählt dabei die ADAM Pencil Mk3.
Angefangen
hat es dieses Mal mit, man möge es kaum glauben, einem Titel
aus der Richtung Dance/Electro ("3OH!3"). Darauf möchte ich
nur in sofern eingehen, dass dieser Lautsprecher nicht die
Ambitionen hat (oder haben sollte?) für solche Musik (ohne
jegliche Wertung) herhalten zu müssen. Deswegen gleich zum
konstruktiven Teil der Tonalität. Jeder kennt dieses Lied:
"Only Time" von der irischen Sängerin Enya. Die "Hymne" zur
emotionalen Verarbeitung der Ereignisse am 11. September
2001 in New York. Die Pencil bringt mit all‘ ihren
Fähigkeiten die Musik sehr authentisch und mit breiter Bühne
herüber. Der Bass wird von den beiden HexaCone-Chassis
druckvoll und präzise regelrecht heraus-geschoben. Der
Hochton wirkt dabei keinesfalls aufdringlich.
Weiter
geht es mit den üblichen Verdächtigen beim Testen. Nachdem
Enya nun angesprochen wurde, möchte ich noch einige Worte zu
Jack Johnson verlieren. Der sympathische Musiker aus Hawaii
zelebriert bei "It’s All Understood" im Duett mit Sam Beam
auf seinem Album "Brushfire Fairytales" allerfeinste Musik.
Wobei dieser Song permanent durch Zach Gill am Piano
begleitet wird, fallen sehr schön die Pianoläufe auf, die so
schnell werden können, wie sie wollen. Die Wiedergabe
verstrickt sich nicht. Die Töne werden klar und deutlich
präsentiert und man munkelt, ob ein Piano nicht das
Referenzinstrument für den schlanken 3-Wege-Lautsprecher
sein könnte.
Die nächste Verwunderung gab es bei Katie Meluas‘ "Nine
Million Bicycles" aus dem Album "Piece By Piece". Sanft
klopft der Bass im Zusammenspiel mit Katie’s himmlischen
Stimme. So hatte ich diesen Titel noch nie gehört, selbst
auf einem meiner sonstigen Referenzlautsprecher nicht. Auch
das Ike & Tina Turner Cover "I Idolize You", welches neben
vielen anderen Künstlern auch mehr als 40 Jahre später von
der afrikanischen Jazz- und Soul-Sängerin Lizz Wright
gecovert wurde harmoniert perfekt mit der Pencil. Die uralt
E-Gitarre wird sauber wiedergegeben und erfreut mit
Sicherheit die Herzen aller Retro-Anhänger. Stimmen und
Instrumente werden von der Pencil klar im Raum positioniert
und weichen keinesfalls von der klar umrissenen Bühne ab.
Doch
eine der vielen getesteten Silberlinge darf nicht fehlen.
Die 1988er "Direct" vom Synthesizer-Papst Vangelis höchst
persönlich. Was gibt es Schöneres, als bei einem stark
verregneten und stürmischen Nachmittag Musik zu hören
(sofern man sich selber mal die Zeit nimmt)? Besonders Titel
Neun der CD – "Messages" – entführt in eine fremde Welt. Die
mystischen Klänge lassen die Pencil zur Höchstform
auflaufen. Jeder der Musik nur mit dem Kopf hört und
permanent überlegt, wie man das Klangbild noch um 0,1 %
optimieren kann, sei dieses Album sowie die ADAM Pencil Mk3
ans Herz gelegt. Dann heißt es nämlich zurücklehnen und die
harmonischen Klänge unangestrengt genießen ohne sich o. g.
Gedanken zu machen.
Zum Thema Pegelfestigkeit hatte ich ja bereits einige Worte
geschrieben. Hohe Lautstärken zu erreichen, ist mit diesem
Lautsprecher kein Problem. Der Wirkungsgrad von 89 dB/W/m
fordert dem Verstärker hingegen schon einiges an Leistung
ab.
Insgesamt ist die Pencil Mk3 ein ziemlich lebendiger
Lautsprecher, der eine überraschend hohe Räumlichkeit
entfaltet. Der Bass ist präzise, wenngleich auch das Volumen
einige Male zum Vorschein kommt. Der Mitteltonbereich ist
klar strukturiert und präzise. In Sachen Hochton ist alles
vom Feinsten und keinesfalls aggressiv.
Fazit
Mit der Pencil Mk3 hat ADAM ein weiteres großes
Ausrufezeichen gesetzt. Das Berliner Unternehmen
präsentiert, wie man in kürzester Zeit vom kompletten
Neuling in der Branche und über Studio-Monitore zur Elite
der Stereo-Welt avanciert. Das formschöne Gehäuse mit
Bodenplatte und Spikes legt mit dem robusten
Bi-Wiring-Terminal den Grundstein für einen großen Erfolg.
Im Allgemeinen besticht der Lautsprecher durch einen
kompromisslosen Materialeinsatz und eine liebevolle
Verarbeitung. Durch den Einsatz vieler Bauteile der TENSORen
brennt auch musikalisch nichts an. Die Pencil Mk3 besticht
durch ihre direkte und unaufdringliche Spielweise, einem
strukturierten und präzisen Mitteltonbereich sowie einer
luftigen und knackigen Tieftonwiedergabe. In Sachen
Räumlichkeit lässt die Pencil seine Zuhörer direkt ins
Geschehen eintauchen – mitten drin statt nur dabei, könnte
man sagen. Der hohe Wirkungsgrad sowie die exorbitante
Pegelfestigkeit ermöglichen es, auch mal etwas lauter
aufzudrehen und bei erhöhtem Pegel die feindynamische
Qualität der Musik zu genießen. Als neutraler Vertreter der
Classic-Reihe hat die Pencil mit keiner der getesteten
Musikarten Probleme, man kann nur vermuten, ob die
Piano-Wiedergabe ein heimlicher Favorit des Lautsprechers
ist.




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