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Außer den
Selbstbauern stehen auch Tuner öfters vor dem Problem, Kondensatoren
auszuwählen.
Dabei will man natürlich für jeden Zweck das optimale Bauteil finden, dessen
Eigenschaften in der
entsprechenden Schaltung zu besonders guten Ergebnissen führt. Leider ist der
Markt schier
undurchdringlich groß und gerade im Audiobereich sind Mythen und Halbinformation
weit verbreitet.
Deshalb hier ein kleiner Leitfaden.
Ein Kondensator ist ein Bauteil, das Energie in Form eines elektrischen Feldes
speichern kann. Im
Vergleich zu einer Batterie ist die speicherbare Energie recht klein und je nach
Einsatzort in der
Schaltung wird sie auch u.U. sehr schnell, innerhalb von winzigen Bruchteilen
einer Sekunde, wieder
abgegeben. Energiespeicherung als solche ist daher selten der Zweck des
Kondensators, sondern
es ist eher der Einfluss auf Wechselströme interessant.
Ideale Kondensatoren gibt es nicht, diese hätten keine Verluste und keine
Induktivität der Zuleitungen.
Reale Kondensatoren kommen dem Ideal aber ziemlich nahe. Trotzdem gibt es
verschiedene
Kondensatorarten, die sich jeweils darin unterscheiden, wie stark sie in dieser
Hinsicht vom Ideal
abweichen und um welchen Preis. Der gute Elektroniker weiß um diese Abweichungen
vom Ideal und
auch, welche dieser Abweichungen im vorliegenden Fall relevant sind und welche
nicht. Davon ausgehend
kann man dann das günstigste Bauteil aussuchen.
In Audioanwendungen gibt es vor allem folgende Einsatzzwecke für Kondensatoren:
- Siebung und Filterung der Betriebsspannung
- Kopplung von Audiosignalen bei Abblockung von Gleichstrom
- Als frequenzbestimmendes Bauteil in aktiven Schaltkreisen
- Als frequenzbestimmendes Bauteil in Frequenzweichen für Lautsprecher
- Zur Frequenzkompensation von Verstärkern
- Zur Unterdrückung von Störfrequenzen
Weitere Anwendungen kommen in der Elektronik vor, sind aber in der Audiotechnik
vergleichsweise selten.
Ein Kondensator besteht aus zwei (in der Regel) metallischen Kontakten, die sich
gegenüberstehen, durch
einen Isolator getrennt. Der Isolator heißt Dielektrikum, und das in ihm
aufgebaute elektrische Feld speichert
die Energie. Es liegt daher auf der Hand dass die Eigenschaften des
Dielektrikums für den Kondensator
entscheidend sind.
Der wichtigste Kondensatorparameter ist die Kapazität. Sie hängt ab von Fläche
und Abstand der
gegenüberliegenden Kontakte (die Platten), und den Eigenschaften des
dazwischenliegenden Dielektrikums.
Um die Kapazität möglichst groß zu machen, versucht man dreierlei:
- Die Fläche der Platten möglichst groß machen
- Den Abstand der Platten möglichst klein zu machen
- Die Dielektrizitätskonstante des Dielektrikums möglichst groß zu machen
Ein weiterer wichtiger Parameter ist die maximale Spannung. Überschreitet man
diese im Betrieb, dann kann
das Dielektrikum versagen und es kommt zum Stromfluss durch das normalerweise
isolierende Dielektrikum.
Die meisten Kondensatoren werden dadurch zerstört, es gibt aber auch einige
Typen die so etwas unter
bestimmten Umständen überleben können.
Aus der Kapazität und der Spannung ergibt sich übrigens die gespeicherte Energie
im Kondensator. Größere
Exemplare können genug Energie speichern um ein Pferd umzubringen, geschweige
denn einen Menschen.
Neben diesen beiden Hauptparametern gibt es diverse weitere Parameter, die
letztlich etwas mit den
Abweichungen vom Ideal zu tun haben, so z. B. Leckströme, ESR, ESL,
Temperaturkoeffizient, Genauigkeit der
Kapazität, Abhängigkeit der Kapazität von der Spannung, dielektrische
Absorption, Erlaubter Temperaturbereich
im Betrieb, Lebensdauer, etc.
Hier einige weit verbreitete Konstruktionsarten von Kondensatoren:
1. Aluminium-Elektrolytkondensatoren
2. Tantal-Elektrolytkondensatoren
3. Keramikkondensatoren
4. Folienkondensatoren
5. Papier- bzw. Papier-Öl-Kondensatoren
Weitere Typen existieren, haben aber geringere Bedeutung.
Wie man sieht, geschieht die Unterscheidung anhand des Dielektrikums-Materials -
keine Überraschung hier.
Welche Eigenschaften haben diese verschiedenen Dielektrika und was hat das für
die Anwendung im Audiobereich
zur Folge?
zu 1. Aluminium-Elektrolytkondensator:
Hier ist eine der Platten aus (oftmals aufgerauhter) Aluminiumfolie, das
Dielektrikum ist eine sehr dünne Schicht aus
Aluminiumoxid. Die andere Platte besteht aus einer leitenden Flüssigkeit, dem
Elektrolyt. Die Dicke des Aluminiumoxids
bestimmt den Abstand zwischen den Platten, welcher hier sehr gering ist. Dadurch
ergeben sich relativ große
Kapazitäten bei geringem Platzbedarf und geringen Kosten. Für Kapazitäten im
Millifarad-Bereich und darüber gibt es
praktisch keine wirtschaftlichen Alternativen zu Elkos (so der Kurzbegriff). Der
Nachteil der Konstruktion ist ein wegen
dem Elektrolyt vergleichsweise hoher Verlustwiderstand, die Tatsache dass
Spannungen nur mit einer bestimmten
Polarïtät angelegt werden dürfen, weil sonst die Aluminiumoxidschicht vom
Elektrolyten "aufgefressen" wird und die
relativ geringe Lebensdauer, vor allem bei hohen Temperaturen, da es zur
Austrocknung des Elektrolyten kommen kann.
zu 2. Tantal-Elektrolytkondensator:
Hier ist das Dielektrikum ein Tantal-Oxid und man verwendet feste Elektrolyten.
Das Ergebnis hat eine höhere Lebensdauer
und Zuverlässigkeit, ist aber deutlich teurer und verträgt umgekehrte Polarität
noch weniger.
zu 3. Keramikkondensatoren:
Angesichts der krassen Unterschiede der hier als Dielektrikum verwendeten
Keramiksorten kann man nur wenig Gemeinsames
über diese Kondensatorart sagen. So viel trifft aber auf alle zu: Die dünne
Metallschicht auf beiden Seiten der Keramik wird
normalerweise aufgedampft oder aufgedruckt und dann die Keramik "gebacken". Es
gibt auch Vielschicht-Varianten, in denen
sich Metall- und Keramikschichten abwechseln, vielfach übereinander gestapelt.
Die Schichtdicken gehen teils bis in den
Mikrometer-Bereich herunter. Das Ergebnis ist ein unpolarisierter Kondensator,
der Spannung in beiden Polaritäten gleichmäßig
verträgt und recht zuverlässig ist.
Bei den Keramiksorten gehen die Unterschiede allerdings richtig los. Es gibt
viele Sorten, aber eine Einteilung in 3 Klassen wird
den meisten Anforderungen gerecht:
Klasse 1 ist für Keramiken, die eine eng definierte Temperaturcharakteristik
haben und deren Kapazität sehr stabil bleibt.
Beispiele für solche Materialien sind C0G und NP0. Diese Sorten sind auch für
Anwendungen in Filtern geeignet, wo sonst
Folienkondensatoren verwendet würden.
Klasse 2 ist für Keramiken, deren Kapazität noch einigermaßen stabil über
Temperatur und Spannung ist, so im 20%-Rahmen,
die aber schon deutlich spürbare Nichtlinearitäten haben. Beispiel hier ist X7R
Klasse 3 Kondensatoren haben Materialien, deren Kapazität sich mit der
Temperatur und der angelegten Spannung ziemlich
drastisch ändern können.
Der Sinn in den "höheren" Klassen liegt darin, dass sie kleinere Baugrößen und
damit Kosten für eine gewünschte Kapazität
bieten, weil die Dielektrizitätskonstante weit höher ist. Klasse 1 -
Kondensatoren werden über ein paar nF Kapazität recht rar,
während die Klasse 3 weit in den µF-Bereich hinein reicht.
zu 4. Folienkondensatoren
Hier wird eine Plastikfolie als Dielektrikum verwendet. Die Platten werden
entweder als Metallaufdampfung auf die Folie aufgebracht
oder es handelt sich um eigenständige Metallfolien, die mit der Plastikfolie
zusammen aufgerollt werden. Es werden verschiedene
Plastiksorten verwendet, aber alle Folienkondensatoren zeichnen sich durch gute
Stabilität der Kapazität über Temperatur und
Spannung aus, so dass man sie an "kritischen" Stellen in Audioschaltungen
einsetzt.
zu 5. Papier- bzw. Papier-Öl-Kondensatoren
Das Dielektrikum ist hier Papier, evtl. imprägniert oder mit Öl getränkt. Für
die Platten kommt entweder Metallfolie oder eine Metall-
Aufdampfung in Frage und das Ganze wird wieder aufgewickelt. Diese Variante ist
etwas aus der Mode, wegen der problematischen
Zuverlässigkeit. Das Öl kann evtl. austreten oder es kann Luftfeuchtigkeit
eindringen und die Kondensatoreigenschaften verändern
(zum Schlechteren)
Wo wird jetzt welcher Typ mit Vorteil eingesetzt?
Bei Siebung in Netzteilen kommt wegen der benötigten Kapazitäten fast nur der
Alu-Elko in Frage. Wenn der bei höheren Frequenzen
zu große Verluste haben sollte kann man auch andere Kondensatoren geringerer
Kapazität parallelschalten. Das ist allgemein eine
unterschätzte und gerne übersehene Möglichkeit, die Eigenschaften eines teuren
Spezialbauteils viel billiger zu erreichen: Man kombiniert
verschiedene Typen miteinander. Eine Parallelschaltung eines Elkos mit einem
Keramikkondensator hat, geeignet kombiniert, die Kapazität
des Elkos und die Hochfrequenzeigenschaften des Keramikkondensators. Einen
einzelnen Kondensator mit diesen Eigenschaften einsetzen
zu wollen käme wesentlich teurer.
Bei der Siebung von hochfrequenteren Störungen ist übrigens die Klasse 3 bei
Keramik ideal, denn die Kapazitätsvariationen sind hier kein
Problem und man braucht eher viel Kapazität bei kleinem Preis und kleiner
Bauform.
Auch in Passivweichen kommt man oft wegen der Kapazität nicht um Elkos herum,
braucht hier aber unpolare Typen, was man auch billiger
durch zwei gegeneinander geschaltete polare Typen erreichen kann. Ansonsten sind
hier Folienkondensatoren gefragt, weil sie geringere
Toleranzen und höhere Zuverlässigkeit haben.
Tantal-Kondensatoren sind ein Ersatz für Elkos in der Siebung, wo höhere
Zuverlässigkeit bei kleiner Bauform gefragt ist und der höhere
Preis kein Problem ist.
Keramikkondensatoren haben den Ruf zu verzerren, aber das stimmt nur für Klasse
2 und 3. Klasse 1 - Materialien können ohne Bedenken
im Audio-Signalweg eingesetzt werden, also wo wegen der Stabilität, den
Toleranzen und der geringen Verzerrung wegen sonst
Folienkondensatoren verwendet würden. Dazu gehören frequenzbestimmende Bauteile
in Filtern, oder Verstärker-Kompensation. Wegen der
guten HF-Eigenschaften, insbesondere bei SMD-Bauformen (Oberflächenmontage, ohne
Anschlussdrähte), werden sie auch für die
Störungsableitung eingesetzt.
Folienkondensatoren sind beliebt für Anwendungen im Signalweg, also bei Filtern,
der Abblockung von Gleichspannung, o.ä., und zwar vor
allem wenn die benötigten Kapazitäten nicht mehr ohne weiteres von Klasse 1 -
Keramik abgedeckt werden, denn Folienkondensatoren
sind in der Regel teurer als Keramikkondensatoren.
Auch Elkos können zur Abblockung von Gleichspannung bzw. zu Koppelzwecken
verwendet werden, man muss aber die Polarität beachten
(eine geringe Spannung in Gegenrichtung bis etwa 1V macht noch nichts) und man
sollte im Interesse von geringen Verzerrungen den
Kapazitätswert deutlich überdimensionieren (Faktor 10 wenn möglich).
Bestimmte Dielektriken haben einen als dielektrische Absorption bekannten
Effekt. Das bedeutet, dass es einen weiteren
Energiespeichermechanismus gibt, der etwas mit Molekülausrichtungen zu tun hat
und nicht allein auf das elektrische Feld zurückzuführen ist.
Der Effekt ist, dass ein Kurzschluss des Kondensators nicht alle gespeicherte
Energie entfernt, so dass beim Öffnen des Kurzschlusses wieder
eine (geringe) Spannung messbar wird. Die Empfindlichkeit einer Schaltung für
diesen Effekt ist sehr unterschiedlich, in einem Fall hat daher
der Effekt keine praktischen Konsequenzen, in einem anderen Fall ist er deutlich
spürbar. Im Audiobereich ist letzterer Fall selten, aber es gibt
Anwendungen in der Messtechnik, wo dieser Effekt sehr stören kann.