www.hifi-online.net > Wissen > Heimkino-Wissen > HDMI-Fehler aufspüren
HDMI ist in einem Heimkino nicht mehr wegzudenken. Der flache
Stecker ist der Universal-
Anschluss für fast alle Heimkino-Geräte, egal ob Beamer, Blu-Ray-Player oder
AV-Receiver.
Doch gerade weil viele Hersteller mit HDMI-Produkten auf dem Markt sind, kommt
es in den
eigenen vier Wänden zu Problemen. Ein plötzlich fehlendes Signal oder ein
gestörtes Bild
zählen zu den häufigsten Fällen. Dazu kommt, dass der HDMI-Standard immer
weiterentwickelt wird, abwärtskompatibel zu DVI bleiben soll und zudem noch mit
einem
Kopierschutz belastet wird. Dieser Bericht soll Ihnen deshalb helfen, diese
Probleme zu
erkennen und zu beheben!
Der "Handshake"
Der Handshake bezeichnet den Begrüßungsprozess zwischen den via HDMI verbundenen
Geräten. Dieser ist recht kompliziert und daher auch die kritischte Situation
beim
Verbinden beider Geräte; ist dieser Vorgang erstmal abgeschlossen, sollte nicht
mehr
viel schiefgehen.
Der Begrüßungsprozess besteht aus
der Synchronisierung der zu übertragenden Frequenz
dem Austausch der HDCP-Zertifizierung und der Übertragung eines in diesem Moment
erstellten Schlüssel zur Decodierung
der Abfrage der EDID-Informationen des angeschlossenen Bildschirms (Auflösung &
Bildwechselfrequenz)
der Abfrage der Audio-Fähigkeiten des Zielgerätes in Sachen PCM-Kanäle,
Bitstream-
Decodierung etc
dem Check des CEC-Kanals zur gegenseitigen Steuerung.
Bei erfolgreichem Abschluss des Begrüßungsprozesses nimmt die Quelle den
Sendebetrieb
der Daten auf – vorher sind die Leitungen auf "Mute" gestellt.
Der Kopierschutz "HDCP"
Voraussetzung für die Übertragung von hochauflösendem Material ist der
Kopierschutz
HDCP (High-Bandwidth-Digital-Content-Protection). Dieser ist allerdings kein
integrierter
Bestandteil von HDMI, sondern wird sozusagen obendrauf gesetzt.
HDCP besteht in einer Verschlüsselung des Videosignals, welche vom Sender
erzeugt wird.
Decodiert wird der Kopierschutz über einen Code, der beim Begrüßungsprozess
zwischen
beiden Geräten erstellt wurde. Stellt die Quelle bei der regelmäßigen Prüfung
der
Verfügbarkeit des Senders fest, das dieser nicht mehr angeschlossen ist, wird
die
Übertragung unterbrochen.
HDCP muss dann angeschaltet sein, wenn der zu übertragende Inhalt es verlangt.
Nach
dem Empfehlungen der HDMI-Lizenzgeber ist es sinnvoll, HDCP ununterbrochen
angeschaltet zu lassen, denn sonst muss beispielsweise ein Satelliten-Receiver
bei jedem
Wechsel eines Programms einen neuen Begrüßungsprozess vornehmen und u. a. auch
einen neuen Code erstellen.
Aber wie erkennen Sie nun Probleme mit HDCP? Sollten Sie kein Bild oder nur den
berühmten „Schnee“ sehen, liegt ein Problem mit HDCP vor. Sind Sie sicher, dass
beide
Seiten HDCP-konform sind, lässt sich ein störungsfreier Betrieb nur durch einen
neuen
Begrüßungsprozess erreichen. Für Sie heißt das: Geräte abschalten oder Kabel
ziehen.
Das Kabel
Anders als bei analogen Übertragung bietet das digitale HDMI einige große
Vorteile, denn
selbst bei großen Kabellängen bleibt das Signal stabil; erst bei zu großen
Kabellängen
geht es in den Bereich der Bildfehler, bis das Signal schließlich ganz abbricht.
Dieser
Vorgang wird signaltechnisch als „Klippe“ bezeichnet. Sollten Sie also irgendwo
lesen,
dass mit Kabel X oder Kabel Y Farben und Bildschärfe besser seien, ist dies
purer Unsinn
oder reine Einbildung, denn, wie bereits erwähnt, verschlechtert sich nur kurz
vor der
„Klippe“ die Qualität.
Aber wann ist ein Kabel nun zu lang? Vorab wichtig zu wissen ist, dass sich die
„Klippe“
je nach zu übertragendem Signal verschiebt. Ein hochwertiges Kabel liefert nach
neutralen
Messungen bei einem Meter Länge eine maximale Bandbreite von 30 GBit/s, also das
Dreifache von dem, was bei HDMI 1.3 höchstens vorgesehen ist. Bei sechs Metern
Länge
sind es immerhin noch 13 GBit/s, während die kritische Grenze für 1080p etc bei
zwölf
Metern erreicht wird – hier beträgt die Bandbreite nur noch 7 GBit/s. Bei 20
Metern sind
es unter optimalen Umständen noch 4 GBit/s.
Sollten Sie trotz akzeptabler Kabellänge beispielsweise nur 576p, anstatt 1080i
sehen
können, liegt das Problem bei der Bit Error Rate (BER), welche die Bitfehler
innerhalb
einer bestimmten Zeit bezeichnet. Oft ist die Signalqualität jedoch solange
akzeptabel,
bis Sie einen AV-Receiver zuschalten. Der Fehler ist in den meisten Fällen, dass
der im
Kabel integrierte Verstärker nicht mit dem AV-Receiver harmoniert, sondern nur
mit dem
Blu-Ray-Player. Im normalen Bereich arbeitet ein Kabel mit einer Rate von einem
Fehler
pro Tag. Selbst Werte von einem Fehler in der Sekunde sind unproblematisch, aber
hier
fängt die ganze Problematik erst an: Wäre das Kabel nur einen Meter länger, käme
man
auf eine Rate von 5000 Fehlern, bei einem weiteren Meter mehr würde das Signal
aussetzen.
Kabel lassen sich in zwei Kategorien unterteilen: Standard und High-Speed. Bei
den
Standard-Kabel lassen sich 1080i, 24p oder 720p (ca. 2,3 GBit/s) auf 15 Metern
sicher
übertragen. Das heißt im Umkehrschluss das bei kürzeren Kabeln auch höhere
Bandbreiten
erreicht werden und folglich auch 1080p mit 60 Hertz ermöglicht wird.
High-Speed-Kabel
hingegen garantieren selbst über 7,5 Meter die maximale Rate von 10,2 GBit/s.
Kritische Übergangspunkte
Eine weitere kritische Stelle in einem Heimkino ist die Weiterleitung,
Umschaltung oder
Verstärkung von Signalen. Das passiert vor allem in AV-Receivern nicht selten,
da diese
Geräte eine ganze Menge an komplizierten Aufgaben zu bewältigen haben.
Einerseits
sind die Ziel der Tonformate, d. h. hier müssen die Receiver der Quelle
mitteilen, welche
Formate sie verarbeiten können. Gleichzeitig leiten sie das Bild weiter an den
TV oder
den Projektor, müssen aber von dort die Information abrufen, welche Standards
hier
benötigt werden.
Um das Signal aufzuteilen und das Bild zu bearbeiten, muss es natürlich zuerst
decodiert
sein, also vom Kopierschutz HDCP befreit sein. Bevor das Signal dann aber wieder
rausgeschickt werden kann, muss es neu verschlüsselt werden. In dieser Menge der
Austauschprozesse und Protokolle kommt es gelegentlich doch mal zu kleineren
Missverständnissen zwischen den beteiligten Geräten. Denn für all‘ diese
Prozesse sind
bestimmte Zeitintervalle vorgesehen, in denen die Verfahren ablaufen müssen.
Reagiert
also eine Komponenten zu schnell, zu langsam oder gar nicht, versteht das andere
Gerät
die zu übermittelnde Botschaft nicht und schaltet sicherheitshalber mal ab.
Nicht ganz so kompliziert, aber nicht von Problemen befreit, sind Repeater. Bei
diesen
Signal-verstärkenden Geräten kommt allerdings die Problematik dazu, dass nicht
alle
Geräte Repeater unterstützen. Der Fehler liegt hier vor allem an der benötigten
Spannung,
die an einem Pin der Buchse bereitgestellt werden muss. Daher sollten Repeater
und
Switche immer aktive Geräte sein – also eine eigene Stromversorgung besitzen.
Ein weiterer
Vorteil aktiver Repeater ist, dass sich die Kabellängen nicht mehr addieren, da
der
Originalpegel wiederhergestellt ist.
Wie verfahren Sie nun am besten, wenn die genannten Probleme auf Ihre Geräte
zutreffen?
Haben Sie jeden Rat befolgt und überprüft, ob die Software auf dem neuesten
Stand ist,
tauschen Sie am besten die Geräte solange aus, bis Sie eine perfekt
zusammenarbeitende
Kombination besitzen. Denn für Sie ist es so gut wie unmöglich herauszufinden,
wo der
Fehler liegt. Dies können nur Spezialisten, die in der Lage sind, die Signale
auszulesen.
Die Bildfehler
Wie zuvor erläutert, treten Bildfehler kurz vor der sog. „Klippe“ auf. Anzeichen
dafür sind
kleine helle, meist waagerecht durch das Bild laufende Streifen; diese Streifen
können in
selterenen Fällen natürlich auch diagonal durch das Bild laufen. Sehen Ihre
Bildfehler anders
aus, so können Sie davon ausgehen, dass es sich um eine Störung, verursacht
durch
Funk- oder Magnetimpulse handelt. Diese Fehler treten oft auf, wenn Sie ein zu
langes
Kabel verwenden. Um den Fehler zu beheben, können Sie es beispielsweise mit
einer
anderen Kabelführung versuchen.
Um zu überprüfen, ob die Störung von außen kommt, stellen Sie am besten die
Geräte
direkt nebeneinander und verbinden sie mit einem sehr kurzen HDMI-Kabel.
Gelegentlich kommt es auch zu einem kleinen Phänomen: Die Bildqualität ist
selbst bei
kurzen HDMI-Kabeln schlechter als bei einer YUV-Verbindung. Die Ursache liegt
dann in
einer schlechten Umsetzung der HDMI-Vorgaben, was Sie dazu ermächtigt, das Gerät
sofort zurückzugeben. Jedoch ist es fast auszuschließen, dass HDMI ein
schlechteres
Signal liefert, als YUV. Daher können Sie einen Defekt am Gerät erst einmal
nicht
ausschließen.
HDMI-Versionen
Mit der Ankündigung des neuen HDMI 1.3-Standards war zunächst der Eindruck
entstanden,
dass durch diese Norm der HDMI-Variante bestimmte Geräteeigenschaften definiert
seien,
wie z. B. DeepColor oder die Fähigkeit zur Bitstream-Wiedergabe. Daher waren
viele
potenzielle Käufer stark verunsichert und wussten nicht, welche Geräte sie nun
beruhigt
kaufen können.
Vergessen wird jedoch oft, dass HDMI 1.3 nicht mehr als ein großer Katalog an
Definitionen
ist, welche neu in den bereits vorhandenen, größeren Katalog an Definitionen
aufgenommen
wird. HDMI 1.3 sagt also rein gar nichts über das Gerät an sich aus.
Angenommen eine Quelle unterstützt DeepColor, also die Fähigkeit Farben mit
zwölf statt
acht Bit zu übertragen, wird das Signal zunächst mit zwölf Bit gesendet. Bleibt
die positive
Antwort des Empfängers aus, da diese DeepColor nicht unterstützt, bleibt es bei
einer
Übertragung von acht Bit. Sprich hier gibt es eine klare Abwärtskompatibilität.
Störeinflüsse bei der CD-Wiedergabe
Bei der Wiedergabe einer CD kann der HDMI-Ausgang eines DVD-Players durch das
Anschalten eines Fernseher gestört oder gar abgeschaltet werden.
Bei diesem Phänomen handelt es sich offenbar um einen Protokollfehler, das sieht
folgendermaßen aus: Der Fernseher meldet sich über HDMI beim DVD-Player an,
bekommt
aber keinen „Handshake“, weil der DVD-Player ja nur reine CDs abspielt, also
meldet er die
fehlende Freigabe zurück, was den DVD-Player zum Abschalten des Digitalausgangs
veranlasst, wie eben bei Bildschirmen ohne entsprechenden Kopierschutz
vorgeschrieben.
Die Lösung des Problems kann hier darin bestehen, dass man ein extra Kabel für
die
Tonverbindung legt (koaxial oder optisch) und im HDMI-Menü den Ton abschaltet.
Diese Prozedur funktioniert allerdings nur, wenn der DVD-Player nicht auch
HD-Ton
abspielen soll.
Führt dies nicht zur Problembeseitigung kann nur ein separater CD-Player in der
Heimkino-Kombo Abhilfe schaffen. Tritt das Problem auch bei ausgeschalteten
Fernsehern
auf, können Sie schon fast davon ausgehen, dass Sie sich nach einem neuen
Bildschirm
umgucken müssen.
Die Ursache für Störungen in der CD-Wiedergabe liegen in aller Regel darin, dass
hier kein
Kopierschutz eingeschaltet werden muss. Und in der Diskussion darüber verheddern
sich
DVD-Player, AV-Receiver und Fernseher, sodass es letztendlich mit der
Abschaltung
des Digitalsignals über HDMI endet.