Bewertung vom 07.10.2009: Melanie Fiona The
Bridge
Lange ist's her, seitdem die letzte CDRezension
auf dieser Seite verfasst wurde. Leider, muss
ich sagen, aber andere HiFiOnline bezogene
Dinge haben im Moment höhere Priorität. Aber
lassen Sie uns nicht lange um den heißen Brei
herumreden, denn im Folgenden möchte ich Ihnen
das neue und auch erste Album von Melanie Fiona
vorstellen.
Sollten Sie diese aus Toronto stammende Dame
nicht kennen, brauchen Sie sich keine Vorwürfe
machen.
Denn wie ich nun mal so bin, interessieren mich
auch die Künstler abseits des Mainstreams in den
Top 10 AlbumCharts (DSDS, alle möglichen
PopstarsVariationen, - hat Big Brother nicht
auch solche Stars gehabt?!). Mit ihrem
DebütAlbum "The Bridge" erreichte Melanie Fiona
(eigentlich ja Melanie Hall) in Deutschland
lediglich nur Platz 35. Die beste Platzierung
bekam sie in ihrem Heimatland Kanada; dort
landete sie bereits im Juli auf Platz 25. Dieses
Ergebnis war Anlass für Universal Music dazu,
das Album auch in Europa herauszubringen.
Um noch kurz auf die Vergangenheit der zu diesem
Zeitpunkt 27jährigen kanadischen R&BSängerin
einzugehen, muss man erwähnen, dass Fionas
Eltern selbst Musiker waren. Somit hatte sie
schon Bühnenerfahrung. Bis 2003 gehörte sie zum
R&BTrio Xquisite, welche mit "No Regrets" 2002
ihren größten Erfolg einfuhren. Nach vier Jahren
größerer Abstinenz wurde sie 2007 von Steve
Rifkind entdeckt und bei Universal Music unter
Vertrag genommen. Nach vielen
VorprogrammAuftritten bei Akon und Kanye West
produzierte sie im Jahr 2009 mit dem schweizer
Rapper "Stress" einen Remix der Single "Give It
To Me Right". Im Anschluss erschien "The
Bridge".
Ende Juli 2009 war dann auch erstmals die erste
SingleAuskopplung "Give It To Me Right" aus
ihrem Album in den deutschen Charts (Platz 31).
Mich wundert es bei diesem Song doch stark, dass
es keine bessere Platzierung für die begabte
Sängerin gab. Der Track, der auf einem Sample
aus "Time of the Season" von The Zombies
basiert, ist wahnsinnig eingängig, schlicht und
funky und hat laut Melanie auch eine schöne
Message: "Mir liegt wirklich sehr viel daran,
dass Frauen, die meine Songs hören, sich davon
gestärkt fühlen. Meine Musik soll ihnen das
Gefühl geben, dass sie schön und sexy sind, ohne
damit die Männer abzuschrecken." "Give It To Me
Right" ist ein UptempoSong, der nicht nur von
Fionas Stimme (die man sich vielleicht noch
einen Tick kraftvoller wünscht) lebt, sondern
auch von einer großen Instrumentenvielfalt. Der
gefällige Refrain machen dieses Lied zu einem
3:44 Minuten langen SoulSpektakel der höchsten
Klasse. 9/10
Weiter geht es direkt mit einem weiteren
UptempoSong. Der explosive Titel "Bang Bang"
sollte Ihnen bereits vieles verraten. Ein
aggressiver Refrain wird von handelsüblichen R&B
begleitet und lässt diesen Titel insgesamt ein
wenig nach Alesha Dixon, den Pussycat Dolls oder
sonstigen ähnlichen Künstlern klingen. Ich muss
jedoch leider sagen, dass man das Lied -
insbesondere den Refrain - nach mehrmaligem
Hören als durchaus nervend empfinden kann.
6,5/10
Doch nach diesem eher durchschnittlichen Lied
folgt einer von drei absoluten Ohrwürmern auf
"The Bridge". Und mit absoluter Ohrwurm meine
ich einen, der sich auch über Monate halten kann
und jedes Mal wieder herauskriecht, sobald
dieses schnelle Stück irgendwo läuft. "Monday
Morning" ist der Name des "kleinen Tieres" und
reflektiert einen maßgeschneiderten Song für Ms.
Fiona. Gerade bei dem aufkommenden schlechten
Herbstwetter ist dieser Titel ein echter
Muntermacher und sollte ganz schnell die
depressive Grundstimmung vertreiben. Mit einer
Länge von 3:44 Minuten liegt er gleich auf mit
"Give It To Me Right". 10/10
Titel vier hört auf den Namen "Please Don't Go (Cry
Baby)" und könnte auch auf CDs der Art "Die Hits
der 70ger und 80ger" sein. Denn der schnelle
Song geht mit dem hintergründigen
TrompetenEinsatz im Refrain und den stimmigen
Strophen ganz klar in den gehobenen
SoulBereich. Alicia Keys und Amy Winehouse
sehen hierbei schon ziemlich alt aus. Nichts
desto trotz vergeht einem nach mehrmaligem Hören
auch die Lust an diesem Song, sodass man schon
mal zum weiterskippen verleitet wird. 8/10
Einen Gang runter beim Tempo und mehrere Gänge
runter beim Niveau geht es bei Titel Nummer fünf
- "Ay Yo". Ein nerviger, eintöniger und
einfallsloser Refrain (la da di di da da di di
da da da
ay yo ay yo ay yo AY YO) wird gefolgt von einer
Defizite in der Stimme aufweisenden Strophe nach
der anderen. Man merkt hier ganz klar, dass
Melanie Fiona sich lieber um den SoulBereich
kümmern sollte, denn dort ist sie definitiv
besser aufgehoben. Die britischen Produzenten
"Future Cut" sollte man wirklich fragen, wie man
sowas derart niveauloses produzieren kann.
3,5/10
In der Mitte der Silberscheibe sind wir bei
Track sechs angekommen. "Walk On By" besitzt
einen jazzigen Beginn mit Orgel, der jedoch nach
20 Sekunden explosionsartig in die erste Strophe
überleitet. Ein Touch von Gospel ist ebenso
vorhanden wie der künstlich hinzugefügte Hall zu
Fionas Stimme sowie ein kraftvoller Beat im
KaribikStyle. 6,5/10
"You Stop My Heart" versucht mit einem 60ger
Jahre Beginn a lá Connie Francis die
Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Der Song "Que
Sera" kommt diesem doch schon ebenso nahe, wie
einige Coversongs der ehemaligen Band "Dick
Brave & The Backbeats" (siehe Take Good Care Of
My Baby). Zwar verleitet dieser Song nicht zum
weiterspulen, doch das Gelbe vom Ei ist er auch
nicht. Eine eher durchschnittlich aufgemotzte
Ballade, die keinen großen Höhepunkt besitzt und
teils recht eintönig klingt ist das Ergebnis,
was man hier schlicht und ergreifend nur
festhalten kann. 7,5/10
Doch nun kommen wir wieder zu den Höhepunkten
ihres ersten Albums. "Johhny" ist der für mich
beste Song auf dieser CD. Ein noch größerer
Ohrwurm als "Monday Morning", der sich tempo
und stimmungsmäßig auf einer Wellenlänge mit dem
genannten "Monday Morning" befindet. Nach ca. 20
Sekunden DiscScratching, was eher auf einen
reinen R&BSong vermutet lässt, leitet er in
einen perfekten Song über, der einen Touch von
Amy Winehouseâ?? "Valerie" hat. Lyricsseitig
erzählt der Titel vom Verlassen werden und den
verzweifelten Versuchen der Wiedergewinnung von
"Johnny". 10/10
"Lonely, I Am Lonely, I Have No Body On My Own",
war das erste was mir bei der Melodie dieses
Songs mit dem Namen "Sad Songs" einfiel. Andere
interne Meinungen tendierten eher zu einem
Soundtrack für eine Kinderserie. Einig waren wir
uns dann aber doch in dem Fakt, dass man aus
diesem Song mit etwas Kreativität einen sehr
guten Weihnachtssong machen könnte. Doch die
Bezeichnung "Sad Songs" für diesen Song weicht
doch etwas von der eigentlich zu erwarteten
depressiven Ballade ab. Das einzige Klischee,
was "Sad Songs" erfüllt, ist die Schilderung von
Liebe, Schmerz usw. 9/10
Mit einem UnpluggedBeginn über ein Piano wird
ein weiterer Ohrwurm eingeleitet. "Priceless"
ist sein Name und er wird netterweise über die
gesamte Spieldauer dieses Liedes mit dem Piano
begleitet. Refrain und Strophe, sowie Melodie
sollten Kritikern nur gute Worte finden lassen,
obwohl dieser Song eher in die Kategorie "Pop"
einzuordnen wäre. Aber wen interessiert schon
das Genre, wenn einem der Song gefällt?
9,5/10
Berg ab geht es leider bei dem vorletzten Song
auf dieser CD. "It Kills Me" führt schon mal
medizinisch gesehen zum Exitus. Songtechnisch
verwundert es genau wie "Priceless" über einen
erstmaligen ViolinenEinsatz (bei "Priceless"
war es ja das Piano). Aber da ich ja bei "Sad
Songs" bereits von einem vermuteten DepriSong
sprach, darf dieser auf dem Album natürlich
nicht fehlen. "It Kills Me" ist genau so einer.
Leider Gottes ist dieser doch eher mittelmäßige
Mariah Carey / Tina TurnerMix auch noch der
längste Song auf dieser CD mit etwas über vier
Minuten. Ein aktiver, lauter Refrain (wie von
Mariah Carey eben gewohnt) wird von einer
geradlinigen Melodie untermauert. 6,5/10
Ein leider sehr schwacher Ausstand aus ihrem
Debütalbum "feiert" Melanie Fiona mit "Teach Him".
Einer weiteren Ballade, die glücklicherweise
noch von einer Gitarre begleitet wird. Fest
steht aber, dass man diesen Song auch in einer
amerikanischen Kirche von einem GospelChor bei
einer Beerdigung singen lassen könnte. 5,5/10
Fazit:
"The Bridge" spiegelt die Dualität der
Persönlichkeit von Melanie Fiona eindrucksvoll
wider: Einerseits in der Tradition von
unsterblichen SoulGrößen wie Sam Cooke, Nat
King Cole und Gladys Knight geschrieben,
bestechen die Stücke zugleich mit dem Druck und
dem Sound aktueller Produktionen. So schlägt sie
eine Brücke - "The Bridge" eben - zwischen der
Vergangenheit und dem Hier und Jetzt, nimmt alte
SoulSamples und baut daraus ihren ganz eigenen
Sound, der von einem unverwechselbaren Ansatz
zusammengehalten wird. So gesehen unterscheidet
sie gar nicht so sehr von ihren wichtigsten
Idolen - Bob Marley, Sade und Patsy Cline.
Melanie Fiona hat mit ihrem Debütalbum also
gezeigt, dass es im modernen Soul und
R&BBereich nicht nur Namen wie Alicia Keys und
Amy Winehouse gibt. Auch eine kleine, bisher
unbekannte kanadische Sängerin kann mit ihren 27
Jahren die Branche wieder aufmischen. Doch ein
Hauch von Verwechslung kann bei Melanie Fiona
und Amy Winehouse durchaus auftreten,
schließlich unterstützte sie Saalam Redi bei der
Produktion des Albums, welcher auch für Amy
Winehouse arbeitet. Verstehen Sie mich nicht
falsch, "The Bridge" ist kein musikalischer
Nobelpreis, aber ein toller Grundstein für eine
hoffentlich gute und anhaltende Karriere.
Loben möchte ich an dieser Stelle doch noch
einmal das Label "Universal Music", dass im
Gegensatz zu vielen anderen neueren Produktionen
bei "The Bridge" eine optimale Vorstellung im
Tonstudio bei der Abmischung geleistet hat.
Qualitativ ist diese CD auf jeden Fall auf
allerhöchstem Niveau!
Anspieltipps:
-
Give It To Me Right
-
Monday Morning
-
Priceless
-
Johnny
Bewertung:
CDQualität: 5 Sterne
CD-Bewertung: 4 Sterne