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Melanie Fiona - The Bridge - CD-Bewertung auf HiFi-Online.net

Genre:
Soul / R&B

Laufzeit:
45 Minuten

Label:
Universal

Erschienen am:
04.09.2009

Bewertung vom 07.10.2009: Melanie Fiona – The Bridge

Lange ist's her, seitdem die letzte CD–Rezension auf dieser Seite verfasst wurde. Leider, muss ich sagen, aber andere HiFi–Online bezogene Dinge haben im Moment höhere Priorität. Aber lassen Sie uns nicht lange um den heißen Brei herumreden, denn im Folgenden möchte ich Ihnen das neue und auch erste Album von Melanie Fiona vorstellen.

Sollten Sie diese aus Toronto stammende Dame nicht kennen, brauchen Sie sich keine Vorwürfe machen.
Denn wie ich nun mal so bin, interessieren mich auch die Künstler abseits des Mainstreams in den Top 10 Album–Charts (DSDS, alle möglichen Popstars–Variationen, - hat Big Brother nicht auch solche Stars gehabt?!). Mit ihrem Debüt–Album "The Bridge" erreichte Melanie Fiona (eigentlich ja Melanie Hall) in Deutschland lediglich nur Platz 35. Die beste Platzierung bekam sie in ihrem Heimatland Kanada; dort landete sie bereits im Juli auf Platz 25. Dieses Ergebnis war Anlass für Universal Music dazu, das Album auch in Europa herauszubringen.

Um noch kurz auf die Vergangenheit der zu diesem Zeitpunkt 27–jährigen kanadischen R&B–Sängerin einzugehen, muss man erwähnen, dass Fionas Eltern selbst Musiker waren. Somit hatte sie schon Bühnenerfahrung. Bis 2003 gehörte sie zum R&B–Trio Xquisite, welche mit "No Regrets" 2002 ihren größten Erfolg einfuhren. Nach vier Jahren größerer Abstinenz wurde sie 2007 von Steve Rifkind entdeckt und bei Universal Music unter Vertrag genommen. Nach vielen Vorprogramm–Auftritten bei Akon und Kanye West produzierte sie im Jahr 2009 mit dem schweizer Rapper "Stress" einen Remix der Single "Give It To Me Right". Im Anschluss erschien "The Bridge".

Ende Juli 2009 war dann auch erstmals die erste Single–Auskopplung "Give It To Me Right" aus ihrem Album in den deutschen Charts (Platz 31). Mich wundert es bei diesem Song doch stark, dass es keine bessere Platzierung für die begabte Sängerin gab. Der Track, der auf einem Sample aus "Time of the Season" von The Zombies basiert, ist wahnsinnig eingängig, schlicht und funky und hat laut Melanie auch eine schöne Message: "Mir liegt wirklich sehr viel daran, dass Frauen, die meine Songs hören, sich davon gestärkt fühlen. Meine Musik soll ihnen das Gefühl geben, dass sie schön und sexy sind, ohne damit die Männer abzuschrecken." "Give It To Me Right" ist ein Uptempo–Song, der nicht nur von Fionas Stimme (die man sich vielleicht noch einen Tick kraftvoller wünscht) lebt, sondern auch von einer großen Instrumentenvielfalt. Der gefällige Refrain machen dieses Lied zu einem 3:44 Minuten langen Soul–Spektakel der höchsten Klasse. 9/10

Weiter geht es direkt mit einem weiteren Uptempo–Song. Der explosive Titel "Bang Bang" sollte Ihnen bereits vieles verraten. Ein aggressiver Refrain wird von handelsüblichen R&B begleitet und lässt diesen Titel insgesamt ein wenig nach Alesha Dixon, den Pussycat Dolls oder sonstigen ähnlichen Künstlern klingen. Ich muss jedoch leider sagen, dass man das Lied - insbesondere den Refrain - nach mehrmaligem Hören als durchaus nervend empfinden kann. 6,5/10

Doch nach diesem eher durchschnittlichen Lied folgt einer von drei absoluten Ohrwürmern auf "The Bridge". Und mit absoluter Ohrwurm meine ich einen, der sich auch über Monate halten kann und jedes Mal wieder herauskriecht, sobald dieses schnelle Stück irgendwo läuft. "Monday Morning" ist der Name des "kleinen Tieres" und reflektiert einen maßgeschneiderten Song für Ms. Fiona. Gerade bei dem aufkommenden schlechten Herbstwetter ist dieser Titel ein echter Muntermacher und sollte ganz schnell die depressive Grundstimmung vertreiben. Mit einer Länge von 3:44 Minuten liegt er gleich auf mit "Give It To Me Right". 10/10

Titel vier hört auf den Namen "Please Don't Go (Cry Baby)" und könnte auch auf CDs der Art "Die Hits der 70ger und 80ger" sein. Denn der schnelle Song geht mit dem hintergründigen Trompeten–Einsatz im Refrain und den stimmigen Strophen ganz klar in den gehobenen Soul–Bereich. Alicia Keys und Amy Winehouse sehen hierbei schon ziemlich alt aus. Nichts desto trotz vergeht einem nach mehrmaligem Hören auch die Lust an diesem Song, sodass man schon mal zum weiterskippen verleitet wird. 8/10

Einen Gang runter beim Tempo und mehrere Gänge runter beim Niveau geht es bei Titel Nummer fünf - "Ay Yo". Ein nerviger, eintöniger und einfallsloser Refrain (la da di di da da di di da da da ay yo ay yo ay yo AY YO) wird gefolgt von einer Defizite in der Stimme aufweisenden Strophe nach der anderen. Man merkt hier ganz klar, dass Melanie Fiona sich lieber um den Soul–Bereich kümmern sollte, denn dort ist sie definitiv besser aufgehoben. Die britischen Produzenten "Future Cut" sollte man wirklich fragen, wie man sowas derart niveauloses produzieren kann. 3,5/10

In der Mitte der Silberscheibe sind wir bei Track sechs angekommen. "Walk On By" besitzt einen jazzigen Beginn mit Orgel, der jedoch nach 20 Sekunden explosionsartig in die erste Strophe überleitet. Ein Touch von Gospel ist ebenso vorhanden wie der künstlich hinzugefügte Hall zu Fionas Stimme sowie ein kraftvoller Beat im Karibik–Style. 6,5/10

"You Stop My Heart" versucht mit einem 60ger Jahre Beginn a lá Connie Francis die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Der Song "Que Sera" kommt diesem doch schon ebenso nahe, wie einige Coversongs der ehemaligen Band "Dick Brave & The Backbeats" (siehe Take Good Care Of My Baby). Zwar verleitet dieser Song nicht zum weiterspulen, doch das Gelbe vom Ei ist er auch nicht. Eine eher durchschnittlich aufgemotzte Ballade, die keinen großen Höhepunkt besitzt und teils recht eintönig klingt ist das Ergebnis, was man hier schlicht und ergreifend nur festhalten kann. 7,5/10

Doch nun kommen wir wieder zu den Höhepunkten ihres ersten Albums. "Johhny" ist der für mich beste Song auf dieser CD. Ein noch größerer Ohrwurm als "Monday Morning", der sich tempo– und stimmungsmäßig auf einer Wellenlänge mit dem genannten "Monday Morning" befindet. Nach ca. 20 Sekunden Disc–Scratching, was eher auf einen reinen R&B–Song vermutet lässt, leitet er in einen perfekten Song über, der einen Touch von Amy Winehouseâ?? "Valerie" hat. Lyricsseitig erzählt der Titel vom Verlassen werden und den verzweifelten Versuchen der Wiedergewinnung von "Johnny". 10/10

"Lonely, I Am Lonely, I Have No Body On My Own", war das erste was mir bei der Melodie dieses Songs mit dem Namen "Sad Songs" einfiel. Andere interne Meinungen tendierten eher zu einem Soundtrack für eine Kinderserie. Einig waren wir uns dann aber doch in dem Fakt, dass man aus diesem Song mit etwas Kreativität einen sehr guten Weihnachtssong machen könnte. Doch die Bezeichnung "Sad Songs" für diesen Song weicht doch etwas von der eigentlich zu erwarteten depressiven Ballade ab. Das einzige Klischee, was "Sad Songs" erfüllt, ist die Schilderung von Liebe, Schmerz usw. 9/10

Mit einem Unplugged–Beginn über ein Piano wird ein weiterer Ohrwurm eingeleitet. "Priceless" ist sein Name und er wird netterweise über die gesamte Spieldauer dieses Liedes mit dem Piano begleitet. Refrain und Strophe, sowie Melodie sollten Kritikern nur gute Worte finden lassen, obwohl dieser Song eher in die Kategorie "Pop" einzuordnen wäre. Aber wen interessiert schon das Genre, wenn einem der Song gefällt? 9,5/10

Berg ab geht es leider bei dem vorletzten Song auf dieser CD. "It Kills Me" führt schon mal medizinisch gesehen zum Exitus. Songtechnisch verwundert es genau wie "Priceless" über einen erstmaligen Violinen–Einsatz (bei "Priceless" war es ja das Piano). Aber da ich ja bei "Sad Songs" bereits von einem vermuteten Depri–Song sprach, darf dieser auf dem Album natürlich nicht fehlen. "It Kills Me" ist genau so einer. Leider Gottes ist dieser doch eher mittelmäßige Mariah Carey– / Tina Turner–Mix auch noch der längste Song auf dieser CD mit etwas über vier Minuten. Ein aktiver, lauter Refrain (wie von Mariah Carey eben gewohnt) wird von einer geradlinigen Melodie untermauert. 6,5/10

Ein leider sehr schwacher Ausstand aus ihrem Debütalbum "feiert" Melanie Fiona mit "Teach Him". Einer weiteren Ballade, die glücklicherweise noch von einer Gitarre begleitet wird. Fest steht aber, dass man diesen Song auch in einer amerikanischen Kirche von einem Gospel–Chor bei einer Beerdigung singen lassen könnte. 5,5/10

Fazit:

"The Bridge" spiegelt die Dualität der Persönlichkeit von Melanie Fiona eindrucksvoll wider: Einerseits in der Tradition von unsterblichen Soul–Größen wie Sam Cooke, Nat King Cole und Gladys Knight geschrieben, bestechen die Stücke zugleich mit dem Druck und dem Sound aktueller Produktionen. So schlägt sie eine Brücke - "The Bridge" eben - zwischen der Vergangenheit und dem Hier und Jetzt, nimmt alte Soul–Samples und baut daraus ihren ganz eigenen Sound, der von einem unverwechselbaren Ansatz zusammengehalten wird. So gesehen unterscheidet sie gar nicht so sehr von ihren wichtigsten Idolen - Bob Marley, Sade und Patsy Cline.

Melanie Fiona hat mit ihrem Debütalbum also gezeigt, dass es im modernen Soul– und R&B–Bereich nicht nur Namen wie Alicia Keys und Amy Winehouse gibt. Auch eine kleine, bisher unbekannte kanadische Sängerin kann mit ihren 27 Jahren die Branche wieder aufmischen. Doch ein Hauch von Verwechslung kann bei Melanie Fiona und Amy Winehouse durchaus auftreten, schließlich unterstützte sie Saalam Redi bei der Produktion des Albums, welcher auch für Amy Winehouse arbeitet. Verstehen Sie mich nicht falsch, "The Bridge" ist kein musikalischer Nobelpreis, aber ein toller Grundstein für eine hoffentlich gute und anhaltende Karriere.

Loben möchte ich an dieser Stelle doch noch einmal das Label "Universal Music", dass im Gegensatz zu vielen anderen neueren Produktionen bei "The Bridge" eine optimale Vorstellung im Tonstudio bei der Abmischung geleistet hat. Qualitativ ist diese CD auf jeden Fall auf allerhöchstem Niveau!

Anspieltipps:

  • Give It To Me Right

  • Monday Morning

  • Priceless

  • Johnny


Bewertung:


CD–Qualität: 5 Sterne
CD-Bewertung: 4 Sterne

 

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